Ein Sommer voller Herausforderungen und Erfolge
- 1. Juli 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Apr.
33. Rundbrief, Juli 2023 |
In Babété läuft es gut. Die Kinder vom Waisenhaus hatten vor den Sommerferien ihre Abschlussprüfungen. Fast alle haben die Prüfungen bestanden und können nach den Ferien eine Klasse höher steigen. Nur ein Kind hat die Abschlussprüfungen nicht geschafft. Es ist gesundheitlich immer wieder angeschlagen und kommt deshalb in der Schule nicht gleich nach. Aber auch solche Kinder gehören zu uns und es ist unsere Aufgabe und Pflicht, sie nicht fallen zu lassen.

Nun sind in Kamerun Schulferien bis im September. Die Kinder ohne Familienangehörige, welche sie für die Ferien aufnehmen könnten, bleiben im Waisenhaus und helfen den Schwestern bei ganz verschiedenen Aufgaben. So haben sie doch eine wichtige und sinnvolle Beschäftigung und werden gebraucht. Momentan helfen die Kinder bei der Ernte von Aloe Vera mit. Diese wird für verschiedene Arzneien verwendet, welche direkt im Kloster von den Schwestern hergestellt werden. Diese Medikamente werden entweder direkt im Kloster oder im Klosterladen in Bafoussam verkauft. Dort gibt es auch andere Produkte aus dem Kloster, wie Tee, Yoghurt, Guetzli, Konfitüre oder Kaffee zu kaufen.

Im April wurde wieder ein kleines Baby im Waisenhaus «Bon Samaritain» abgegeben. Gloria, wie sie von den Schwestern genannt wird, war etwa einen Monat alt und wurde in der nächstgelegenen Stadt, Mbouda, vor der Türe einer Frau gefunden. Der kleinen Gloria geht es gut im Waisenhaus und man sorgt sich wunderbar um sie. Auch die grossen Mädchen, Grazia und Prisca sind im Waisenhaus von grosser Bedeutung und übernehmen eine wichtige Rolle in der Kinderbetreuung. Wie in Afrika üblich werden Kinder nämlich nicht von einer einzigen Person, sondern von einem ganzen Dorf erzogen und so haben auch Geschwister eine sehr wichtige Rolle in der Familie oder eben bei uns im Waisenhaus.

Brayane, einer der älteren Jungs des Waisenhauses, wurde auserwählt als Junior-Mitglied beim Kinderparlament in Yaoundé teilzunehmen. Darauf sind natürlich alle sehr stolz.
Wir sind gespannt, was aus diesen tollen und motivierten, jungen Menschen wird und hoffen, das Waisenhaus und die Unterstützung, welche die Kinder dort erfahren, gibt ihnen Halt und Selbstvertrauen in ihrem Leben.
Leider gibt es aus dem Nordwesten, aus der Region Bamenda, nicht wirklich gute Neuigkeiten. Die Lage hat sich verschlechtert. Vor allem Menschen aus dem frankophonen Teil, welche zu Hauf in Bamenda leben, werden gesucht und gezielt getötet. Den Menschen bleibt nur die Flucht, welche aber unter diesen Bedingungen nicht einfach, besser gesagt, fast unmöglich ist. Menschen aus dem frankophonen Teil können nicht mehr in den englischsprachigen Raum reisen ohne um ihr Leben zu fürchten. Kinder können nicht mehr zur Schule gehen. Und nun wehrt sich die frankophone Bevölkerung. Die Lage ist wirklich schlimm. Zur Zeit sieht es aus wie in einem Bürgerkrieg.
Seit 2017 verschlimmert sich der Konflikt zwischen Kamerun und den Separatisten zusehends. Diese wollen im Westen des Landes einen neuen Staat namens Ambazonia gründen. Laut UN sind in diesem Konflikt schon bereits mehr als 3500 Menschen getötet worden. (vgl. www.nau.ch)

Wir hoffen und beten, dass sich die Lage beruhigen wird und die Menschen eine Lösung und ein baldiges Ende für diese blutigen Taten finden werden.
Euch allen danke ich für eure offenen Augen, Ohren und Herzen und dafür, dass ihr meine Rundbriefe geduldig lest! Ich hoffe, ihr bleibt noch lange interessiert.
Mit einem herzlichen Gruss
Verena, die Kinder vom Waisenhaus «Bon Samaritain» und die Schwestern vom Kloster St. Benoît in Babété


