Wenn Wege schwierig werden – und warum wir nicht aufgeben
Aktualisiert: 20. Apr.
37. Rundbrief, August 2025 |

Ein turbulentes und ereignisreiches halbes Jahr liegt hinter mir, geprägt von vielen Herausforderungen und auch schönen Momenten. Besonders die Gespräche mit den Schwestern und mit Ramona haben mich tief bewegt. Nach ihrer Reise nach Kamerun blieb Ramona fünf Monate in Babété, wo sie grösstenteils mit den Kindern im Waisenhaus lebte. Anfangs half sie in der Schule und im Dispensaire, später war sie vor allem für die älteren Kinder eine grosse Unterstützung.
Die Geschichte von Benoît berührt mich besonders. Nach meiner Rückkehr in die Schweiz half er im Kloster und beim Priester, um seinen Weg zu finden. Es schien, als könnte er dort eine positive Richtung einschlagen, doch leider verschlechterte sich die Situation. Benoît begann nachts zu verschwinden, beging Diebstähle im Kloster und beim Pfarrer, bis er schliesslich im Gefängnis landete. Es wurde deutlich, dass er nur aus diesem Teufelskreis herauskommt, wenn er von Drogen und schlechten Einflüssen loskommt. Wir suchten eine Klinik bei Yaoundé, die ihn auf seinem Weg begleiten und ihm eine Ausbildung ermöglichen soll – ein wichtiger, wenn auch schwieriger Schritt. Ich hoffe sehr, dass Benoît diese Chance nutzt und einen guten Weg für seine Zukunft findet. Für ihn ist vor allem wichtig zu spüren: Wir geben ihn nicht auf. Ich bin den Schwestern sehr dankbar, dass sie diese Haltung teilen und sich weiterhin für Benoît einsetzen.

Bei allem, was in Kamerun passiert, wird mir immer wieder bewusst, wie anders vieles läuft – oft rauer, von Korruption geprägt. Das macht mich manchmal machtlos, doch ich versuche, nicht zu urteilen, denn auch bei uns läuft vieles im Verborgenen ab.
Mir ist bewusst, dass ich nur begrenzten Einfluss nehmen kann – schließlich kennen wir das Leben in Kamerun nur von Besuchen. Unsere Zukunft ist gesichert: Wir können eine Ausbildung machen, Geld verdienen und die Welt entdecken. Für die meisten Jugendlichen in Kamerun ist das kaum möglich. Ihre Chancen auf eine gute Ausbildung oder ein gesichertes Einkommen sind gering.
Die Pflegemütter geben Vieles, um die Kinder auf die Herausforderungen des Lebens vorzubereiten. In ihrem Verständnis bedeutet das jedoch manchmal, dass sie ihnen nur selten kleine Freuden gönnen. Das möchte ich nicht gutheissen. Gerade Kinder im Waisenhaus brauchen Liebe, Fürsorge und Momente des Glücks. Ich bin überzeugt, dass Mitgefühl und Barmherzigkeit überall ihren Platz haben – auch in Kamerun. Vielleicht braucht es Zeit, bis sich das in jedem Alltag zeigt. Doch jeder liebevolle Moment zählt – und kann Hoffnung schenken.
Mein Wunsch ist, dass unser Waisenhaus «Bon Samaritain» mit der Zeit eine andere Haltung entwickelt und erkennt, dass Liebe und Grosszügigkeit nur weitergegeben werden können, wenn man sie selbst erlebt hat.
In diesem Sinne hoffe ich, dass meine ehrlichen Worte eure Grosszügigkeit nicht trüben, sondern euch ermutigen, uns weiterhin zu unterstützen.
Vielen Dank für eure Unterstützung und euer Vertrauen.
In grosser Dankbarkeit
Verena, die Kinder vom Waisenhaus «bon samaritain» und die Schwestern vom Kloster St. Benoît in Babété


